Rückblick

Seit den Geschehnissen in Berlin-Schöneberg sind nun etwa zwei Jahrzehnte vergangen. Äußerlich hat sich inzwischen sehr viel ereignet. Die Mauer ist gefallen, Deutschland ist nun vereint und Berlin ist wieder die deutsche Hauptstadt. Der Senat von Berlin residiert im "richtigen" Berliner Rathaus in Berlin Mitte und nicht mehr im Rathaus Schöneberg. Die Schöneberger Bezirksverwaltung sitzt nicht mehr im selben Gebäude mit den Senat von Berlin sozusagen "auf Tuchfühlung". Die Bezirke Schöneberg und Tempelhof sind zusammengelegt worden. Alles erscheint anders.

Doch der Geist, der sich ja nicht auf das ehemalige Berlin (West) beschränkte, ist geblieben. In der gesamten Bundesrepublik Deutschland reißen die Korruptionsaffären nicht ab. Wie viele Minister, Landräte, Bürgermeister, Stadträte und andere Beamte inzwischen in der Versenkung verschwinden mußten, wird nicht öffentlich gesagt; darüber gibt es keine Statistik. Doch wo es nur irgendwie möglich war, hielt die Justiz ihre schützenden Hände über die Betreffenden.

Zum Schluß werden die Verursacher des Unrechts noch zu Helden hochstilisiert, wie man dem folgenden Nachruf entnehmen kann:


DER TAGESSPIEGEL Nr. 18582 vom 30.08.2004, Seite 9


Der Stadtälteste Alfred Gleitze
ist gestorben

Drei Jahrzehnte hat Alfred Gleitze die Kommunalpolitik in Berlin mitgeprägt. Er war in Schöneberg Bezirksverordneter, Stadtrat und schließlich Bezirksbürgermeister. Vor wenigen Tagen ist Gleitze im Alter von 70 Jahren gestorben. Viele Vereine und Initiativen haben von seiner Mitarbeit und finanziellen Unterstützung profitiert. Soziale Hilfe, die Jugendarbeit und die Förderung von Kultur, Bildung und Sport waren ihm wichtig. Noch vor sechs Wochen wurde ihm die Stadtältestenwürde verliehen. 50 Jahre war der gebürtige Berliner Mitglied der SPD. „Er war tief in der Gemeinschaft verwurzelt, für die er Politik gemacht hat", erklärte der SPD-Landeschef Michael Müller zum Tod Gleitzes.       za

 


Welche dubiose und für uns so verhängnisvolle Rolle der ehemalige Schöneberger Bezirksstadtrat für Finanzen und Wirtschaft, Alfred Gleitze, vor nunmehr 25 Jahren gespielt hatte, ist bereits im Kapitel "Das Grundstückstausch-Geschäft" geschildert worden. Aber das weiß der jetzige SPD-Landeschef sicher nicht. Und er weiß sicher auch nicht, warum das Abrißhaus Hohenstaufenstraße 22 in Berlin-Schöneberg noch immer in die nördliche Fahrbahn ragt und alle Auto-, Omnibus- und LKW-Fahrer zu einer Slalomfahrt zwingt.

 

Wußwerk, im September 2004

Manfred Ganady


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